„Gone Girl“ – Gillian Flynn

Gone Girl - Gillian FlynnUnter ominösen Umständen ist Amy Dunne an ihrem fünften Hochzeitstag aus ihrem Haus und dem ihres Ehemannes, Nick Dunne, verschwunden. Die Spuren weisen eindeutig darauf hin, dass Amy das Haus nicht freiwillig verlassen hat. Die Suche nach ihrem Verbleib beginnt und bald schon wird auch ihr Ehemann verdächtigt. Was ist mit Amy geschehen? Wo ist sie? Ist sie noch am Leben oder am Ende sogar schon tot?

Eines möchte ich zu Beginn gleich voranstellen: ich werde so gut wie keine Ausführungen zur Handlung machen, um nicht Gefahr zu laufen, zu viel zu verraten. Dadurch wird meine Rezension recht komprimiert ausfallen. Denn dieses Buch sollte völlig unvoreingenommen und mit möglichst wenig Vorwissen Seite um Seite erkundet und erschlossen werden. Wer noch nie, so wie ich, ein Buch von Gillian Flynn gelesen hat, der macht sicherlich keinen Fehler, sich zunächst diesem Thriller zu widmen, der in Bezug auf unterschiedliche Aspekte seinesgleichen sucht. Wer bei „Gone Girl“ ein Buch mit viel Blut erwartet, dem sei gesagt, dass dies auf den knapp 600 Seiten nicht zu finden ist. Stattdessen spielt die Autorin mit vielfältigen Möglichkeiten und Andeutungen. Das unausgesprochene Wort, das zwischen den Zeilen bedrohlich lauert wie ein Raubtier, das zum Sprung bereit ist, von dem man aber nicht weiß, wann es den Satz zu seiner Beute macht, lässt die Phantasie auf Hochtouren laufen.

Was haben wir einander angetan? Was werden wir noch tun? (S. 9)

Sehr schnell wird deutlich, dass so manches Geheimnis im Leben der Ehepartner existiert und die Ehe nicht unbedingt als mustergültig zu betrachten ist. Doch welche Ehe ist dies am Ende? Das Geheimniskrämerische, das immer wieder zum Vorschein kommt, machte es mir nicht leicht, zu beurteilen, wo die Wahrheit versteckt liegt. Die unterschwelligen Befürchtungen, die dadurch beim Lesen entstanden, machen einen Reiz dieses Buches aus, durch den ich dieses kaum aus der Hand legen konnte. Drohte der Handlungsverlauf in absehbarer Zeit ins Langatmige abzurutschen, hat Gillian Flynn auch dafür immer wieder eine Lösung parat – und zwar eine unvorhergesehene. Durch ihre durchdachten und klaren Handlungsverläufe gelingt es ihr, Wendungen und Überraschungsmomente einzubauen, die tatsächlich als solche bezeichnet werden können, weil ich sie nicht habe kommen sehen. Dadurch erschien das Vorangegangene in einem neuen Licht, ein neuer Thrill entstand, der mich dazu brachte, das bereits Bekannte in einem neuen Blickwinkel zu sehen und neu bewerten zu müssen. Einzig in der Schlussphase ließ das Buch in meinen Augen etwas nach. Diese hätte für meinen Geschmack durchaus etwas kürzer ausfallen können.

„Gone Girl“ ist ein Psychothriller, der mich mit seinen unvermittelten und überraschenden Wendpunkten überzeugen konnte. Durch den kleinen „Makel“ auf der Zielgeraden fehlt allerdings ein Quäntchen zum perfekten Thriller. Trotzdem bin ich sehr begeistert von diesem Buch und kann es jedem Thrillerliebhaber nur empfehlen. Vielleicht habe ich mit „Gone Girl“ sogar eine neue Lieblingsautorin für mich entdeckt.

 

 

Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐

2 Comments

  1. Hey, bei mir war Gone Girl auch das erste Buch von Flynn. Ich fand es auch total faszinierend, denn, wie du es so treffend beschrieben hast, lauerte zwischen den Zeilen ein Raubtier.
    Mich hat das Ende allerdings ziemlich enttäuscht zurück gelassen und somit etwas von meiner Begeisterung über das Buch genommen. Ich kann dir auch Sharp Objects von ihr empfehlen. Habe ich auf Englisch gelesen und fand den Handlungsverlauf auch sehr überraschend 🙂
    Liebe Grüße
    Saskia

    1. Das Ende hat schon sehr – im Gegensatz zum Rest des Buches – nachgelassen. Auch wenn es mir nicht so gut gefallen hat, bin ich trotzdem noch von dem Buch begeistert.
      „Sharp Objects“ ist schon mal notiert. Ich bin jedenfalls froh, mal wieder eine Thrillerautorin für mich entdeckt zu haben. 🙂

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