„Brandstifter“ – Martin Krist

Martin Krist - BrandstifterValentina Starke findet ihren Mann eines Morgens auf brutale Weise ermordet in seinem Arbeitszimmer. Von Heute auf Morgen verändert sich damit ihr bisher unbeschwertes Leben. Plötzlich erhält sie Polizeischutz, sie und ihre Kinder werden bedroht. Der Gegner macht unmissverständlich klar, dass man sich mit gewissen Kreisen besser nicht anlegt. Kann Valentina ihre Familie schützen?

„Brandstifter“ ist bereits der dritte Thriller um den Ermittler David Gross aus Martin Krists Feder. Ich kenne weder den Vorgänger „Drecksspiel“ noch „Engelsgleich“, hatte allerdings während des Lesens von „Brandstifter“ kaum das Gefühl, dass mir essentielle Details aus David Gross‘ Vergangenheit zum Verständnis fehlen würden.

Wer einen linear aufgebauten Thriller mit einer eindeutingen Story erwartet, der mag von den Verwicklungen und unterschiedlichen Handlungssträngen überrascht werden. Denn genau wie z. B. bei „Märchenwald“ setzt Krist auf unterschiedliche parallele Erzählstränge gepaart mit Rückblenden. So steht auf der einen Seite Valentina Starke im Mittelpunkt. Es ist für sie nicht nur unerklärlich, wer es auf ihren Mann abgesehen hatte und warum dieser ermordert werden musste. Ihre Kinder haben den Vater verloren und Unbekannte platzieren unmissverständliche Drohungen. Das Netz der Gefahr, in dem sie sich plötzlich befindet, muss durchstoßen werden. Aber wie?
Auf der anderen Seite ist da David Gross. Er nimmt die Ermittlungsarbeit dort auf, wo die Polizei schon aufgegeben hat oder nicht tiefer gräbt. Seine Methoden sind im besten Fall unkonventionell, im schlechtesten Fall überschreiten sie die Grenzen der Legalität. Aktuell ist er damit beschäftigt, den Fall einer Brandstiftung aufzuklären. Doch auch eine Vermisstenanzeige bedarf der näheren Betrachtung. Trotz seines Arbeitspensums nehmen zudem private Probleme einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit in Anspruch.

Die Erzählweise und die unterschiedlichen Protagonisten machen gerade den Reiz aus, der beim Lesen entsteht. Wo bestehen Zusammenhänge? Gibt es diese überhaupt? Welche Hinweise deuten in welche Richtung? Liege ich mit meinen Vermutungen richtig oder falsch? Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich lange Zeit im Dunkeln tappte und eigentlich fast jeden verdächtigte. So, wie ich es von einem Thriller erwarte, lichtet sich erst mit entsprechendem Fortschritt der Geschichte der Nebel. Ein Puzzelteil nach dem anderen fällt an seinen Platz und es beginnt sich ein Bild zu ergeben. Bis kurz vor Schluss fehlt aber immer noch das Entscheidende, um das große Ganze zu enthüllen. Das Thrillerherz wird somit auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen.

Auch die verschiedenen Charaktere aus unterschiedlichen sozialen Schichten werden gut und mühelos mit wenigen Sätzen gezeichnet. Ich mag es, wenn ich das Gefühl habe, es könnte sich um echte Personen handeln, denen auf den Seiten eines Buches Leben eingehaucht wird. Sei es die wohlhabende Witwe, die sich in bestimmten Kreisen bewegt, der wortkarge Ermittler oder der ehemalige Student, der den Absprung in ein verantwortungsvolles Leben nicht schafft oder vielleicht hat ihn das Leben auch zu schnell eingeholt. Hinter jeder Person steht eine glaubhafte Geschichte. Ich interessierte mich für jeden völlig unabhängig von Sympathie oder Antipathie und fürchtete mich vor so mancher unausweichlichen Entwicklung.

Kurze Kapitel garantieren zudem ein schnelles und entsprechende Cliffhanger an deren Ende ein noch schnelleres Vorankommen. Da ich den Stil von Martin Krist sehr mag, hätten mich ein paar Seiten mehr pro Kapitel jedenfalls nicht gestört. Die Aufklärungsarbeit nimmt gegen Ende ein immer rasanteres Tempo an. Hier fehlte mir hin und wieder dann doch der tiefere Einblick in die Vergangenheit von David Gross. Die ein oder andere Erkenntnis, die ein oder andere Wendung warf neue Fragen auf. Und so schließt das Buch zwar keinesfalls mit einem offenen Ende, allerdings mit einem Gefühl des noch nicht genug Wissens, mit ordentlich Stoff zum Nachdenken und mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit David Gross.

Vielen Dank an Martin Krist für dieses Rezensionsexemplar.

Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐

6 Kommentare

  1. Deine Besprechung macht mich jetzt doch sehr neugierig auf diesen Autor. Werde ich mir näher anschauen. Vielen Dank für die aussagekräftige Besprechung.
    Viele Grüße
    Thomas

      1. Liebe Yvonne,
        ich bin ja mit „Märchenwald“ auf den Geschmack gekommen. Da habe ich auch noch einiges nachzuholen. Ich denke, dass ich mich zunächst mit den Büchern um David Gross befassen werde. Und dann kommen die Vorgänger zu Paul Kalkbrenner auf den noch zu lesen Stapel. 🙂

  2. Ich steige ja sehr ungern in einen laufende Serie ein, aber Dank Deines Hinweises, dass man die beiden Vorgänger nicht unbedingt kennen muss, um mit „Brandstifter“ klarzukommen, werde ich mir das Buch nun doch mal näher ansehen. Oder doch gleich die ganze Reihe? 😉
    Litnetzwerk-Grüße von
    Gabi

    1. In laufende Serien steige ich auch nicht gern ein. Aber Martin Krist gelingt es wirklich gut, alles weitestgehend eigenständig darzustellen. Natürlich hat der Ermittler eine Geschichte. Tatsächlich steht aber die Ermittlungsarbeit im aktuellen Fall im Vordergrund. Mir hat „Brandstifter“ jedenfalls gleich Lust auf die ganze Reihe gemacht, daher würde ich dir empfehlen, dich vielleicht gleich an den ersten Band zu wagen. 😉

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